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Myostatin Blocker.

ROOSEVELT PARK, Mich. – Während Liam Hoekstra kopfüber hängend ein paar Sit-Ups macht, enthüllt das runterhängende T-Shirt knallharte Bauchmuskeln. Eine solche Demonstration von purer Kraft erwartet man natürlich von Weltklasseturnern – Liam ist aber erst 19 Monate alt.

Dieser frühreife, 10kg schwere Junge mit kaffee-brauner Haut, lockigem Haar und einem Waschbrettbauch ist allerdings auch kein ganz normaler Knirps.

"Er konnte das Eiserne Kreuz schon mit 5 Monaten", erzählt seine Adoptivmutter Dana Hoekstra. Gemeint ist eine sehr schwierige Gymnastikübung, bei der sich ein Athlet mit ausgestreckten Armen zwischen zwei Ringen hält und damit ein Kreuz mit seinem Körper formt. (siehe Foto) "Ich habe ihn an den Händen hochgehalten und er hat sich einfach in ein Eisernes Kreuz hochgezogen. Das war bei uns der Aha-Moment und wir wussten, dass irgendwas unnormal war!" berichtet Mutter Dana.

Liam hat eine seltene, genetische Mutation, die als Myostatin-bedingte Muskelhypertrophie bezeichnet wird. Die Mutation resultiert in überdurchschnittlichem Wachstum der Skelletmuskulatur, führt laut Experten jedoch nicht zu einem vergrößertem Herzen oder anderen Nebenwirkungen.

Liam hat die Art Körperbau, von der Bodybuilder und andere Sportler nur träumen können: 40% mehr Muskelmasse als Otto-Normal-Bürger, unglaubliche Kraft, atemberaubende Geschwindigkeit, einen schnellen Stoffwechsel und so gut wie kaum Körperfett. Ums mit den Worten der Bodybuilder zu sagen: der Junge ist hart!

"Wir nennen ihn Hulk, Hercules oder Terminator", sagt seine Mutter. Liam rennt so schnell wie der Wind, hat die Agilität einer Katze, hebt Möbelstücke an, die normale Kinder seines Alters nicht einmal schieben könnten und isst so viel, als gäbe es kein morgen – ohne zuzunehmen.

"Er hat im Prinzip stündlich Hunger und kann eine volle Mahlzeit verschlingen, weil sein Stoffwechsel so schnell arbeitet", erklärt Mutter Dana. "Er frisst mir jetzt schon die Haare vom Kopf."
Liams seltene Mutation ist allerdings mehr als nur eine medizinische Besonderheit: Wissenschaftler könnten dadurch die Geheimnisse um Muskelwachstum und Muskelschwund entschlüsseln. Studien mit Erwachsenen, die ähnlich wie Liam gebaut sind, könnten Aufschluss über neue Behandlungsmethoden und Medikamente für Krankheiten, wie Muskeldystrophie und Osteroporose, geben. Gelingt es den Wissenschaftlern, den Myostatinhaushalt des Körpers zu kontrollieren, so könnte das Protein eine wirkungsvolle Waffe im pharmazeutischen Arsenal werden. Experten fürchten jedoch gleichzeitig, dass sich Athleten mit Myostatin-Blockern einen illegalen Wettbewerbsvorteil verschaffen könnten.

Für Liam jedenfalls könnte die Mutation ein potentielles Risiko haben: Kinder brauchen ein wenig Körperfett, um Energie für das Wachstum von Gehirn und Zentralem Nervensystem (ZNS) zu haben.

Ohne ausreichend Körperfett könnte das Wachstum gehemmt und das ZNS beeinträchtigt werden, so Dr.Erlund Larson, Internist beim Hackley Krankenhaus und vertraut mit Liams Mutation.

Die Tatsache, dass Liam sowohl physisch als auch geistig wächst und gedeiht, ist fast so unglaublich wie seine ungeheure Kraft. Das Kind einer verzweifelten Mutter, die ihn nach der Geburt zur Adoption freigab, kam nämlich mit einer Reihe an gesundheitlichen Problemen auf die Welt. Dass Liam von einer Arzthelferfamilie hunderte Meilen vom Geburtsort entfernt adoptiert wurde und dass diese Familie ihm durch ihr Wissen und die nötigen Mittel all das Essen, die Pflege und Liebe geben kann, die er braucht, ist wahrscheinlich das größte Wunder dieser Geschichte. - "Die Wege des Herren sind unergründlich", sagt Neil Hoekstra, Liams Adoptivvater.

Laut Fachliteratur wurde Myostatin-bedingte Hypertrophie erstmals in den späten 90ern bei Rindern und Mäusen registriert. 1997 entdeckten Wissenschaftler der John Hopkins Universität in Baltimore, dass ein Gendefekt im Myostatingen für die erhöhte Muskelmasse der Blaubelgier-Rinderrasse verantwortlich ist. Diesen Wissenschaftlern gelang es daraufhin auch durch Ausschalten des Myostatingens supermuskuläre Mäuse zu züchten.

Erstmals im Jahr 2000 wurde auch ein Fall menschlicher Myostatinmutation bei einem Jungen aus Deutschland dokumentiert, jedoch bis 2004 nicht veröffentlicht. Die Mutation ist beim Menschen so selten, dass man nicht weiß, wie viele Menschen sie wirklich haben, erklärt Dr. Wagner, Genetikexperte der John Hopkins-Universität. Menschen mit dieser Mutation produzieren kein Myostatin und können daraufhin doppelt so viel Muskelmasse aufbauen, wie Normalbürger, so die Fachliteratur. Liams Mutation ist allerdings ein wenig anders, sodass seine Muskelzellen nicht auf Myostatin reagieren bzw. es abstoßen. Daraufhin kann auch er etwa 50% mehr Muskelmasse aufbauen.

Das Ergebnis beider Mutationen ist also das gleiche: überdurchschnittliches Wachstum der Skelletmuskulatur, unglaubliche Kraft, ein superschneller Stoffwechsel und dadurch wenig Körperfett.

"Liam hatte nie irgendwelches Körperfett", sagt seine Mutter. "Das einzige Fett sitzt an seinen Wangen." - Die sogenannte Myostatin-Blockierung hat ein riesiges Interesse in der Bodybuildingwelt geweckt. Einige Nahrungsergänzungsmittel werben damit, Myostatin zu blocken, was allerdings nicht wissenschaftlich belegt werden kann, so Experten.

"Wenn Myostatin blockiert wird, kann die Muskulatur viel schneller wachsen und regenerieren", erklärt Dr.Larson. "Myostatin-Blocker haben ein großes Potential als Steroid der Zukunft."

Die größte Herausforderung für Liams Eltern ist es momentan, den Jungen mit genug Protein zu versorgen, um seinen Hochleistungsmotor zu füttern. Der drahtige aber muskuläre Knirps isst sechs volle Mahlzeiten am Tag und hat noch immer Probleme, an Gewicht zuzulegen.

Dr. Larson, der Liams Mutation als erster erkannte, ist vor allem von seiner Kraft besonders beeindruckt. "Er konnte sich an meinen Händen festhalten und fast ein Eisernes Kreuz machen. Das schaffen die meisten Männer ihr Leben lang nicht und dann kommt dieser kleine Kerl und macht das ohne große Probleme!" sagt Larson.

Larson ist außerdem der Meinung, dass Liams Kraft ihm einen starken Vorteil gegenüber anderen Kindern verschafft, sowohl physisch als auch im Bezug auf das Selbstvertrauen. "Wenn man diese Art von Kraft und Energie hat, steht einem die Welt offen.", so Larson. "Er ist sehr lebendig, weil er so stark ist – wenn man so kraftvoll ist, probiert man viel mehr aus." Liams Vater, eingefleischter Fan der Michigan-Universität, träumt schon von einer glorreichen Zukunft Liams "Er könnte der nächste Michael Hart werden", träumt Neil Hoekstra und meint damit den Running-Back-Star der Michigan-Uni.

Der Anfang..
Liam kam vier Wochen zu früh auf die Welt, hatte ein kleines Loch im Herz und außerdem Hautausschlag, vergrößerte Nieren, war Lactose-intolerant und hatte starken Magenrückfluss, sodass er sich ständig übergeben musste. Niemand konnte ahnen, dass der Junge einer der wenigen mit Myostatin-bedingter Hypertrophie ist.

Dana Hoekstras Mistrauen gegenüber Liams physischen Fähigkeiten wuchs schnell an. Bereits zwei Tage nach seiner Geburt konnte er stehen und sein eigenes Körpergewicht tragen, wenn man ihn an den Händen hielt, um ihm mit der Balance zu helfen. Seine Herz- und Nierenprobleme heilten innerhalb weniger Monate, allerdings dauerte es 18 Monate, bis er sich nicht mehr täglich übergeben musste.

Nach 5 Monaten war Liams Oberschenkelmuskulatur bereits so ausgeprägt, dass er die Statur einer Miniaturausgabe von Lance Armstrong annahm. Mit 8 Monaten konnte Liam schon Klimmzüge und einen Monat später schon Treppen rauf und runterklettern. Die Eltern von Liam bewunderten vor allem, wie Liam fiel. "Wenn er nach hinten fiel, landete er auf seinem Po, konnte den Kopf aber immer über dem Boden halten", erinnert sich Dana. "Seine Bauchmuskulatur spannte sich beim Fallen an und hielt seinen Kopf über dem Boden.. man konnte seinen Six-Pack richtig sehen."

Liam hat seiner Mutter sogar schon einmal ein blaues Auge verpasst und ein Loch in den Putz der Wand gehauen, während er einen Wutanfall hatte. "Das nennt man wohl Attitüde", kommentiert seine Mutter.

Nach verschiedenen Kraftdemonstrationen Liams, berichtete Danas Vater Darryl Cochrane Dr.Larson von ihm. "Großeltern geben gerne mit ihren Enkeln an und Darryl schien wirklich zu übertreiben, also musste ich mir den Jungen selbst ansehen", sagt Dr.Larson, der eine Myostatinmutation als "reine Spekulation" bezeichnete. Nachdem Larson den Jungen sah, überwies der Arzt ihn an eine Spezialklinik für Genetik in Grand Rapids. Die Ärzte dort stellten fest, dass Liam für sein Alter untergewichtig war und einen zu kleinen Kopfumfang sowie Körpergröße hatte.

Sie stellten jedoch fest, dass Bein-, Waden- und Armmuskulatur stark hypertrophiert waren und Liam, wie zuvor festgestellt, ein echter Kraftzwerg war. Die Ärzte spekulieren, dass der Junge diese Mutation wohl von väterlicher Seite geerbt habe, da sein biologischer Vater laut medizinischen Befunden auch überdurchschnittlich stark war. Eine Ultraschalluntersuchung mit 14 Monaten ergab, dass Liam 40% mehr Muskelmasse hatte als gleichaltrige Kinder ohne Mutation, berichtet Dana Hoekstra.

Liam zog natürlich auch das Interesse der Wissenschaftler der John-Hopkins Universität auf sich, da diese noch immer Myostatin-bedingte Muskelquerschnittsvergrößerung untersuchten. Eine Blutuntersuchung ergab, dass Liam nicht die Mutation hatte, bei der gar kein Myostatin produziert wird, sondern sein Körper eine Art Blockade gegen Myostatin aufbaute. Er zählt zu einem von etwa 100 bekannten Fällen weltweit, in denen diese Mutation vorkommt.

Die John-Hopkins Uni wollte Liam zunächst für eine Studie gewinnen, bei der Menschen mit dieser Mutation untersucht werden sollten. Nachdem sie aber dann 100 Erwachsene fanden, die teilnehmen konnten, konnte auf Liams Teilnahme verzichtet werden. Für seine Eltern stellte diese eine Erleichterung dar, da sie Liam nicht der schmerzhaften Muskelbiopsie unterziehen wollten, die für die Studie notwendig war. Dana Hoekstra sagt allerdings auch, dass sie Liams Teilnahme wohl zugestimmt hätte, wenn man dadurch neue Therapiemöglichkeiten für Muskeldystrophiepatienten entwickeln könnte.

Jetzt wollen die Eltern Liam einfach nur ein normales Leben leben lassen und nicht die scherzhaften Vorschläge von Freunden annehmen, ihm Profi-Sport- oder Modelverträge zu verschaffen: "Es ist toll, dass er ein wenig muskulöser sein wird, als normale Menschen, aber ich will nicht, dass er als Freak angesehen wird."

Dr.Larson meint auch, dass Liam nicht anders behandelt werden sollte, als andere Kinder. "Er ist ein normaler Junge. Das Glück war halt einfach auf Liams Seite. Es wird interessant, ihn aufwachsen zu sehen!" kommentiert Dr.Larson.
24.8.07 19:19





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